Warum unser Wirtschafts-System kollabieren wird

consultant-779590_640Unsere globale Wirtschaft basiert auf dem Prinzip des Wachstums. Ein Leben lang beschäftigen wir uns damit. Als Kleinkind noch im natürlichen Wachstum des eigenen Körpers. Doch schnell lernen wir, dass nicht nur das eigene Einkommen oder die eigene Intelligenz wachsen muss, sondern auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aller Länder. Dieses BIP setzt sich aus allen produzierten Waren und angebotenen Leistungen einer Volkswirtschaft zusammen. Unsere Unternehmen bzw. unsere Wirtschafts-leistung muss also immer weiter wachsen.

Und das wird seit tausenden Jahren praktiziert. Der Begriff der Produktivität fand zwar erst ab dem 15. Jahrhundert Einzug in die Gedankenwelt, doch Wachstum betreiben wir seit jeher. Der Mensch strebt nach einem besseren Lebens-Standard. Während das römische Reich als größte Nation im Jahre 0 zur Geburt Christi eine Wirtschaftsleistung zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar betrug, was 500$ je Kopf entspricht, erreicht Italien heutzutage als neunt stärkste globale Nation mit 2 Billionen Dollar (2.000 Milliarden Dollar) eine erheblich größere Wirtschaftsleistung. 36.000$ kommen über 2.000 Jahre nach dem Jahre Null auf jeden Italiener. Das ist das 72-fache. Atemberaubend.

Doch warum müssen wir eigentlich immer wachsen? Unendliches Wachstum in einer Welt mit endlichen Rohstoffen klingt bereits nach einer schier unlösbaren Aufgabe. Und tatsächlich. In unserem Wirtschaftssystem des Wachstums liegt ein Denkfehler vor. Es ist eine Frage der Zeit bis wir unser bestehendes Wirtschafts-System vernichten müssen oder es von selbst kollabiert.

Warum wir immer nach Wachstum streben und warum der Kollaps kommen wird möchte ich dir in diesem Blog detailliert erklären:

 

Warum muss unsere Wirtschaft immer weiter wachsen?

Die Ursache liegt in der Herkunft unseres Geldes. Die Zentralbanken erlauben es den Banken Geld zu erschaffen und an uns Konsumenten und die Unternehmen auszuzahlen. Dabei müssen die Banken derzeit 1% der Summe, welche sie als Kredit ausgeben, bei der Zentralbank hinterlegen und darauf Zinsen zahlen. Den Leitzins. Banken geben also Geld immer nur im Gegenzug gegen Zinsen heraus, um die eigenen Kosten gegenüber der Zentralbank zu refinanzieren und sich das Risiko würdig bezahlen zu lassen.

Die Banken schaffen also eine Geld-Summe X und wollen dieses Plus Zinsen zurückbekommen. Wir bekommen also Summe X und müssen Summe X + Y zurückgeben. Es gibt nicht nur immer genau so viele Schulden wie Geld-Vermögen in unserer Welt, sondern sogar mehr Schulden als wir überhaupt Geld besitzen.

Und irgendjemand ist immer der Schuldner, welcher jemand anderem oder der Bank Geld und Zinsen schuldet. So streben wir alle nach Wachstum. Denn jeder muss die Summe X + Y erarbeiten. Es ist vergleichbar damit, dass zwei Personen jeweils 7,50€ (5€ Schuld + 2,50€ Zinsen) benötigen, also in der Summe 14€, es aber nur 10€ gibt. Jeder muss nach Wachstum streben, um neben seiner aufgenommenen Summe 5€ auch die Zinsen über 2,50€ zu erwerben und zurückzuzahlen. Jeder erkennt nun: Das ist nicht möglich.

Es ist immer ein dynamisches Hin und Her. Der eine sammelt Geld an, der andere kann seine Schulden nicht mehr zurückzahlen. Doch im Allgemeinen streben wir alle nach Wachstum, um unsere Geldmenge finanzieren zu können.

 

Wie kann das System so lange bestehen, wenn die Schulden schneller wachsen als das Geldvermögen?economy-437509_640

Die Banken versorgen den Markt mit immer neuer Liquidität. Es wird immer mehr Geld geschöpft und ausgezahlt. Fließt kein neues Geld in die Wirtschaft, dann fehlt es an Kapital, um die Kosten temporär zu tragen. Der Markt trocknet sozusagen aus. Während die einen viel Geld angespart haben und sich nicht trauen dieses auszugeben, da es zu wenig Geld gibt und die Wirtschaftsleistung sinkt, fehlt es den anderen an genau diesem Geld und sie können in dem Moment ihre Schulden und Zinsen nicht mehr tragen. Nur neue Kredite ermöglichen es die Situation zu beherrschen.

Wir erkennen sehr gut, dass Schulden und Wirtschaftsleistung zusammenhängen: Während die globale Wirtschaftsleistung von 2000 bis 2012 um 121% (40 Billionen Dollar) auf 72,7 Billionen Dollar stiegen die Schulden im gleichen Zeitraum um 129% von 87 Billionen auf 200 Billionen Dollar.

 

Aktuell erkennen wir, was die Zentral-Banken machen, wenn die Wirtschaftsleistung sinkt. Um einer rückläufigen Leistung, also einer Rezession, entgegenzuwirken senken die Zentral-Banken die Zinsen. Damit kommen Banken, aber auch Kreditnehmer billiger an frisches Kapital. So wird die Kreditvergabe der Banken wieder angekurbelt, die Welt nimmt frische Schulden auf und so kommt auch frisches Geld in den Kreislauf. Ohne diese Maßnahme würden viele Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten und Pleite gehen. Die Mitarbeiter wären Arbeitslos, könnten nicht mehr so viel Geld, wie zuvor, ausgeben und weitere Unternehmen gehen pleite. Ein Teufelskreis nach unten.

Eine Rezession, in der die Wirtschafts-Leistung sinkt gehört zu einem normalen konjunkturellen Ablauf unserer Wirtschaft. Doch was passiert, wenn es nachhaltig, also über längere Zeit, kein Wachstum gibt?

business-618371_640Hier ist die Antwort kurz und gnadenlos: Ohne Wachstum können die Schulden nicht bezahlt werden und unser System kollabiert.

Es ist zwingend notwendig zu wachsen. Hier müssen wir den Gedankengang des Beginns des Artikels fortsetzen: Wachstum ist notwendig um die Schulden-Last zu bezahlen. Die Schulden-Last wird mit immer neuen Schulden, also immer neuem Geld, bezahlt. Doch können wir ja nicht wahllos Schulden aufnehmen. Staaten können nur Schulden in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt aufnehmen. Griechenland liegt bei über 200% Verschuldung in Relation zur eigenen Wirtschaftsleistung. Niemand gibt diesem Land mehr Kredite. Und so muss die Wirtschaftsleistung der Staaten, Unternehmen und Haushalte stetig wachsen, damit wir stetig neue Schulden aufnehmen können.

Wächst die Wirtschaftsleistung nicht mehr, dann können wir keine Schulden mehr aufnehmen. Doch während also unsere Geldmenge unverändert bleibt steigen die Zinsen unaufhörlich weiter.

Es ist eine unaufhaltsame Blase. Und nur durch stetiges Wachstum verbleiben Schulden und Geldvermögen in einer ertragbaren Relation. Doch sobald es kein Wachstum mehr gibt wird die Schuldenlast spürbar. An diesem Punkt gibt es sowieso nicht genügend Geld, um alle Schulden zu bezahlen. Und die Schulden wachsen trotzdem immer weiter.

Ohne Wachstum kollabiert unser Wirtschafts-System. Jeder von uns ist auf Wachstum erpicht. Aus gutem Grund, wie wir nun gelernt haben. Doch muss uns allen klar sein: Es gibt kein ewiges Wachstum in einer Welt mit endlichen Rohstoffen.

 

Börse RatgeberUnd aus meiner Sicht erreichen wir derzeit das Maximum unserer Leistungsmöglichkeiten. Geld kostet Nichts mehr. Die Schulden die nun aufgenommen werden kosten kaum Zinsen. Billiges Geld geben die Zentralbanken in Umlauf. Darüber hinaus setzen Staaten und Zentralbanken riesige Konjunktur-Programme mit kostenlosem geschenktem Geld auf. Zölle sinken und die Währungen werden abgewertet, um Export zu ermöglichen.

Es werden derzeit alle Verfügbaren Mittel eingesetzt, um Wachstum anzuregen. Und dennoch wachsen wir kaum. In Europa liegt das Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und 1,7%. Die USA versucht mit würgen und kratzen 3% Wachstum zu erreichen. Und die dynamisch beliebten Schwellenländer müssen auch Wachstum einbüßen und Jahr für Jahr rückläufige Steigerungen hinnehmen.

Bisher ist der Menschheit immer wieder ein Mittel eingefallen, wie man wieder wachsen kann. Prognostizierte man vor 200 Jahren noch, dass das Maximum bald erreicht sei, so konnte die Entstehung der Dienstleistungen unser Bruttoglobal-Produkt (globales BIP) immens steigern. Es bleibt spannend wie die Welt nach der Weltwirtschafts-Krise von 2007 auf das schleppende Wachstum reagieren wird.

 

Doch sicher zu sagen ist: Nur mit Wachstum kann unser Wirtschafts-System bestehen. Und das Wachstum wird eines Tages fehlen. Eines Tages wird unser gesamtes globales Wirtschaftssystem (Und als Folge auch Gesellschaften, Soziale Standards und Staaten) kollabieren. Die Frage ist wann das passieren wird. Ob in 20, 50, 100 oder 500 Jahren kann niemand prognostizieren. Sicher ist nur, dass wir uns fröhlich konsumierend eine gigantische Blase unser unseren Hintern aufblasen, welche eines Tages explodieren wird.

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